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Osho – Technologie und Erleuchtung

 

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„Im Westen sind viele Menschen damit beschäftigt, eine Wissenschaft oder Technologie der Erleuchtung zu schaffen. Es besteht mit Sicherheit eine Notwendigkeit dafür. Ist es verantwortungslos, so etwas zu erschaffen, ohne selbst erleuchtet zu sein? Ist Arica ein stimmiger Ansatz?“

Das erste und wichtigste, woran man sich erinnern muss, ist, dass es für Erleuchtung keine Technologie geben kann, das liegt nicht in ihrer Natur. Aber der Westen ist besessen von Technologie, was immer dem Westen in die Hände fällt, wird zu einer Technologie reduziert. Technologie ist eine Besesessenheit. Für die äußere Welt ist Technologie ein gültiger Ansatz, aber er ist einseitig, nicht umfassend; es ist nicht der einzige, sondern nur einer der Ansätze. Poesie ist genauso gültig wie Wis-senschaft. Wissenschaft ist Wissen ohne Liebe, und das ist das Gefährliche daran. Weil es Wissen ohne Liebe ist, ist es immer im Dienst des Todes und nie im Dienst des Lebens. Daher führt der ganze Fortschritt der Wissenschaft den Menschen in den globalen Selbstmord.

Eines Tages, wenn der Mensch Selbstmord begangen hat – mit dem dritten Weltkrieg – werden die Kakerlaken denken: Wir sind die besten Überlebenskünstler. Irgendein Darwin, ein Kakerlaken-Darwin wird beweisen: Wir sind die Stärksten, weil wir überlebt haben; das Überleben der Stärksten. Der Mensch hat Selbstmord begangen, er hat sich selbst zerstört.

Wissen ohne Liebe ist gefährlich, denn seine eigentliche Wurzel ist giftig. Liebe bewahrt ein Gleichgewicht, sie erlaubt dem Wissen nie, so weit zu gehen, dass es zerstörerisch wird. Wissenschaft ist Wissen ohne Liebe; das ist die Gefahr. Aber sie ist eine der gültigen Ansätze: Das Objekt, das Materielle kann man ohne Liebe erkennen – man braucht sie nicht. Aber das Leben besteht nicht nur aus Materie, das Leben ist mit etwas ungeheuer Transzendentalem durchdrungen. Das Transzendentale wird übersehen. Und dann wird Wissenschaft nach und nach ein Mittel, um die Natur auszubeuten, zu manipulieren. Das war der eigentliche Anfang der Wissenschaft: Wie kann man die Natur erobern?

Das ist eine törichte Idee. Wir sind nicht von der Natur getrennt; wie könnten wir sie erobern? Wir sind die Natur, wer soll da wen erobern? Es ist absurd? Mit dieser Absurdität hat die Wissenschaft vieles zerstört. Die ganze Natur ist zerstört, das Klima ist vergiftet, die Luft, das Wasser, die Meere, alles ist verseucht. Die ganze Harmonie stirbt, die Ökologie wird ständig zerstört. Bitte denkt daran: es ist genug, mehr als genug. Richtet die Wissenschaft nicht nach innen. Wenn die Anwendung der Wissenschaft in der äußeren Welt so verheerend war, dann wird sie in der inneren Welt noch zerstörerischer sein, weil ihr hier in einen subtileren Bereich kommt. Selbst für die äußere Natur ist eine andere Art von Wissen nötig, das seine Wurzeln in der Liebe hat; doch für dein innerstes Wesen, das Subtilste, das Transzendentale ist kein Wissen nötig. Unschuld ist nötig. Unschuld gepaart mit Liebe – dann wirst du das Innere deines Seins erkennen, deine Subjektivität.

Aber der Westen ist besessen von Technologie. Es scheint, als hätte die Technologie in der Natur Erfolg gehabt. Wir sind mächtiger geworden. Doch wir sind nicht mächtiger geworden. Diese ganze Vorstellung ist eine Täuschung. Wir sind nicht mächtiger geworden. Wir werden jeden Tag schwächer, denn die natürlichen Resourcen gehen zu Ende. Früher oder später wird die Erde leer sein, sie wird nichts mehr hervorbringen. Wir werden nicht mächtiger, wir werden jeden Tag schwächer und schwächer. Wir sind auf dem Totenbett. Die Menschheit kann, wenn sie sich mit der Natur weiter so verhält, nicht länger als fünfzig, sechzig Jahre überleben, allerhöchstens hundert Jahre. In hundert Jahren werden wir verschwunden sein. Nicht eine Spur wird von uns übrig bleiben. Und der Mensch ist nicht der erste, der verschwindet. Viele andere Tiere, sehr starke Tiere sind von der Erde verschwunden.

Der Mensch denkt, er sei sehr mächtig, er kann auf den Mond fliegen, aber er zerstört die Erde und damit alle Möglichkeiten für zukünftiges Leben. Bitte wendet eure Technologie nicht im Innneren an, ihr habt genug Unheil angerichtet. Man kann Erleuchtung nicht auf eine Technologie reduzieren. Als erstes also: die innere Reise ist eine Reise der Unschuld, nicht des Wissens; bestimmt nicht der Wissenschaft und absolut nicht der Technologie – mehr der Liebe, der Unschuld, der Stille. Meditation ist nicht wirklich eine Technik. Nur weil ihr nichts anderes als Technik versteht, muss ich in diesen Begriffen reden. Ansonsten ist Meditation überhaupt keine Technik. Meditation ist nichts, das du tust, Meditation ist etwas, in das du hineinsinkst, genau wie in die Liebe. Meditation ist etwas, das du sein kannst, aber du kannst es nicht tun. Das Tun hört auf.

Wie kann es eine Technologie des Nicht-Tuns geben? Technologie ist relevant für Tun; du musst etwas tun. Meditation ist nicht etwas, das du machst. Nur wenn dein Macher verschwunden ist und du vollkommen entspannt bist, wenn du überhaupt nichts tust, in einem tiefen Loslassen, in tiefer Ruhe …da ist Meditation, da blüht Meditation auf. Es ist das Erblühen deines Seins. Es hat nichts mit Werden zu tun. Es ist keine Leistung, es ist keine Verbesserung; es bedeutet einfach, das zu sein, was du bist. Welche Technik sollte dazu nötig sein?

Die Leute sind so dumm, deshalb muss man über Techniken sprechen. Wenn du verstehst, ist nichts notwendig. Einfach still zu sein und du selbst zu sein, nicht irgendwo hin zu streben, überhaupt nirgendwo hinzugehen, und du wirst den Segen sehen, die Meditation. Wenn diese Meditation so ein spontanes Fließen geworden ist, dass du dazu nicht einmal eine bestimmte Sitzhaltung einnehmen musst, dass du keine Nische in deinem Haus finden musst, wo dich niemand stört, wenn es auch auf dem Marktplatz gegenwärtig ist – beim Reden, beim Gehen, beim Tun, beim Essen ist es da – wenn es immer da ist, auch wenn du schläfst, ist es da; du fühlst es ständig, es ist wie dein Atem, oder wie dein Herzschlag, dann ist es das, was Kabir sahaj samadhi, spontane Ekstase nennt. Es ist keine Technik. Es braucht keine Technik, es braucht nur Spontaneität, es braucht nur Natürlichkeit, es braucht nur Einfachheit.

Daher sage ich euch: Gesegnet sind die Unwissenden, denn ihrer ist das Königreich Gottes. Werdet unschuldig und werdet unwissend. Bleibt nicht im Wissen stecken. Aber im Westen geschieht es. Jetzt versuchen sie, den Verstand zu ma-nipulieren, sie versuchen Mechanismen zu kreieren, die das Denken ma-nipulieren. Das wird noch viel gefährlicher sein, denn wenn man weiß, wie man den Verstand des Menschen manipulieren kann, wird der Mensch zu einem Automaten reduziert. Das wird geschehen. Wenn man weiß, wie man den Verstand des Menschen völlig manipulieren kann, dann ist alle Freiheit verschwunden, dann gibt es keine Individualität mehr. Dann kann man Elektroden in deinen Kopf einpflanzen, ohne dass du es weißt und du kannst von Delhi, von Moskau, von Washington aus manipuliert werden. Einfach durch Radiowellen. Das ganze Land kann Befehle erhalten und niemand sieht die Befehle kommen. Eine Elektrode ist da, die Radiowellen können einen Befehl geben und du wirst ihn automatisch befolgen.

Es wird keine Freiheit mehr geben, du kannst jeden Augenblick hypnotisiert werden. Du kannst eine Halluzination haben und du wirst daran glauben. Sie wird so wahr sein – sie kommt aus deinem Innern. Dann kann aus Delhi, aus Moskau, aus Washington, aus London der Befehl kommen, dass ihr alle glücklich seid – und ihr werdet euch glücklich fühlen, ihr werdet euch zufrieden fühlen. Ihr mögt im Sterben liegen und leiden, aber wenn der Befehl kommt, dass ihr glücklich seid und dass es keinen Tod gibt, werdet ihr glauben, ihr seid glücklich und ihr müsst nicht sterben. Und das wird aus eurem Innern kommen. Du wirst an jedes Dogma glauben, an alles, was eure Priester und Politiker euch gerade vorsetzen; du wirst an das Dogma glauben und es wird keinen Zweifel geben. Alle Skepsis wird verschwinden. Das ist ein gefährlicher Schritt.

Meditation sollte nicht zu einer Technologie reduziert werden und Erleuchtung kann nicht reduziert werden. Erleuchtung bedeutet Bewusstheit, Achtsamkeit. Erleuchtung gehört weder dem Körper noch dem Verstand an. Sie gehört dem Jenseitigen an. Der Körper und der Verstand können durch einen Mechanismus manipuliert werden, aber deine Seele ist jenseits und kann von keinerlei Mechanismus manipuliert werden. Du fragst, Viele Menschen im Westen sind damit beschäftigt, eine Wissenschaft oder Technologie der Erleuchtung zu schaffen. Diese Leute sind Kriminelle. Es sind gefährliche Menschen; gehe ihnen aus dem Weg. Genau die gleichen Leute haben vor 200 Jahren die Technologie erschaffen. Sie haben die Natur zerstört, jetzt wenden sie sich dem Bewusstsein zu. Sie werden auch das zerstören. Und du sagst, Es besteht mit Sicherheit eine Notwendigkeit dafür. Es besteht keine, mit Sicherheit nicht. Das ist keine Notwendigkeit.

Aber wieso siehst du die Möglichkeit? Es gibt auch keine Möglichkeit. Doch der Mensch ist gefährlich: je unmöglicher etwas ist, desto mehr reizt es ihn. Es gibt keine Möglichkeit; natürlich wird es nicht geschehen – aber das Unmögliche kann eine Herausforderung für diese verrückten Leute werden, diese Besessenen, die alles zu einer Technik reduzieren wollen. Sie können keine Technik der Erleuchtung schaffen. Das ist real nicht möglich. Aber sie können eine Technologie schaffen, die den Verstand manipuliert, die Menschen täuscht und die Illusion der Erleuchtung bewirkt. Das geschieht durch Drogen: Drogen sind eine Technologie der Erleuchtung geworden. und der Drogen-Guru, Ginsberg, redet davon, dass die Mystiker der ganzen Welt genau dasselbe sagen, dass sie dir die gleiche Vision geben wie LSD oder Psilocybin oder Marihuana. Es ist Unsinn. Keine Droge kann dich zur Erleuchtung führen, aber Drogen können die Illusion der Erleuchtung erzeugen. Ist es verantwortungslos, so etwas zu kreieren, ohne selbst erleuchtet zu sein? Nur ein Mensch, der Erleuchtung kennt, kann so etwas versuchen. Diejenigen, die Wissende geworden sind, können sich diese Möglichkeit nicht einmal vorstellen. Und es ist unverantwortlich.

Ist die Arica Methode stimmig? Die Arica Methode ist eine Technologie, eine Technik, ein Wissen ohne Liebe und daher besteht die Gefahr, dass sie die Leute zu Robotern macht. Denkt immer daran: Freiheit ist das Ziel; moksha, absolute Freiheit ist das Ziel. Man kann Menschen in Roboter verwandeln; sie werden weniger unglücklich sein. In der Tat, wenn du ein perfekter Roboter wirst, wie kannst du dann unglücklich sein? Eine Maschine ist nie unglücklich, natürlich auch nie glücklich, aber auch nie unglücklich. Die Arica Methode oder andere Methoden, bei denen die Liebe fehlt, sind gefährlich. Und auch hier ist es wieder schwierig, den Unterschied zu erkennen, denn die gleiche Methode kann mit Liebe angewandt werden, dann ist sie bedeutungs-voll, und ohne Liebe kann sie gefährlich werden. Es ist schwierig, von außen zu erkennen, ob die Methode mit Liebe angewandt wird oder ohne Liebe.

Die Arica Methoden stammen von verschiedenen Schulen: von den Sufis, von Gurdjieff, von tibetischen, indischen, japanischen Schulen. Sie haben Techniken aus der ganzen Welt gesammelt. Erstens gibt es keine Harmonie in ihnen, kein Zentrum, weil sie aus verschiedenen Schulen entnommen sind. Es ist ein Sammelsurium, eine Menschenmenge, ein großer Haufen, keine Familie. Eine Sufi Technik ist zwangsläufig anders als eine Zen Technik. Beide funktionieren, aber sie funktionieren in ihrem eigenen System. Außerhalb ihres Systems können sie nicht funktionieren. Das ist so, als würdest du ein Teil aus einem Autos nehmen und es in ein Auto einer anderen Marke einbauen. Beide funktionieren, aber nur innerhalb ihres eigenen Systems. Und jetzt funktionieren sie nicht und du fragst verwundert:”Warum klappt das nicht?” Im ersten Auto hat es funktioniert; da war eine Harmonie, es war für dieses Auto bestimmt. Eine Zen Methode funktioniert in einer Zen Philosophie; eine Sufi Methode funktioniert in einer Sufi Philosophie; eine tibetische Methode funktioniert im tibetischen okulten, esoterischen Buddhismus; eine Yoga Methode funktioniert im Patanjalischen System. Du kannst nicht einfach eine Methode irgendwo her nehmen, sonst könntest du auch ein Auto mit ein paar Teilen vom Rolls Royce machen, ein paar vom Lincoln, ein paar vom Cadillac, und ein paar vom Fiat – Teile von überall her. Es ist gefährlich.

Erstens mal bewegt es sich gar nicht – und hast Glück, wenn es nicht fährt. Fährt es, dann hat du weniger Glück. Arica hat Techniken von verschiedenen Schulen genommen. Arica ist sehr habgierig, zusammengewürfelt; aber es gibt kein Zentrum. Es ist kein Or-chester, es ist Gewirr von Geräuschen. Wenn du den Arica Methoden folgst, wirst du nicht in deinem Zentrum ankommen. Du wirst viele Erfahrungen an der Peripherie machen, aber du wirst nie in deinem inneren Zentrum ankommen. Und all diese Erfahrungen werden nicht zusammen gehören, sondern bruchstückhaft sein. Und es ist gefährlich, du kannst in Stücke fallen. Zweitens ist da keine Liebe im Zentrum, weil es kein Zentrum gibt – und Liebe kommt nur aus dem Zentrum. Diese Sammlung von so vielen Methoden ist seelenlos, sie hat keine Seele. Du kannst sehr, sehr effizient in der Methode sein, und dennoch wirst du sehen, dass dein Herz nicht aufblüht. Du wirst effizient sein, aber du wirst nicht glückselig sein. Du bist vielleicht weniger unglücklich, weniger angespannt, mehr in der Lage, dich unter Kontrolle zu haben, du magst ein stärkeres Ego haben, aber du wirst keine Seele haben.

Die Methoden an sich sind alle stimmig. Aber Arica hat noch keine Philosophie, es hat keine Harmonie. Und auf diesem Wege kann man keine Harmonie erschaffen, es geht genau umgekehrt. Der Buddhismus wurde geboren als Buddha erleuchtet wurde. Zuerst kam das Zentrum und dann fing er an, einige Methoden zu erschaffen, um den Leuten zu helfen, die nicht erleuchtet waren, um ihnen zu helfen in das Zentrum zu kommen, das er schon erreicht hatte. Zuerst kam das Zentrum und dann die Peripherie. Genauso war es mit Jalaluddin Rumi, zuerst wurde er erleuchtet und als er erleuchtet wurde, tanzte er, wirbelte er im Kreis – nicht um erleuchtet zu werde; er hatte nie davon gehört. Er wirbelte einfach gern, und er empfand dabei großen Frieden. Es war ein Zufall – während er wirbelte wurde er erleuchtet. Als er erleuchtet war, überlegte er, wie er anderen helfen konnte. Zuerst war das Zentrum da, dann begann er mit der Sufi-Methode. Das gleiche war der Fall mit Patanjali. Bei Arica liegen die Dinge ganz anders. Da gibt es keinen Erleuchteten im Zentrum – ja, ein kluger Mensch ist da, der viele Methoden aus vielen Quellen und vielen Richtungen und Traditionen gesammelt hat, aber es gibt kein Zentrum, nur eine Peripherie. Daher werden Leute, die zu Arica gehen früher oder später stecken bleiben. Du hast einen gewissen Punkt erreicht, und dann merkst du plötzlich: da gibt es kein Wachstum und du wirst trocken wie eine Wüste, denn wenn keine Liebe fließt, erscheinen niemals Blüten, Bäume wachsen nicht, Flüsse fließen nicht.

Das höchste Erblühen ist immer das der Liebe.

Osho, excerpted from Path of Love, chapter 2

Eine Kulturgeschichte der Esoterik mit Informationen zu Arica 

In der Nähe von Arica, eine chilenische Stadt, gibt es eine Straße, an die Autos oder Dinge berauf rollen.  Arica ist der Namensgeber für eine chilenische Meditationsschule. Aber was Osho sagt, gilt genau so gut für Scientology oder für den neuesten Hype um das „Law of Attraction“ von Abraham. Es gilt eigentlich für alle Arten von Religionen, Sekten und Gruppierungen, die behaupten, das Ritual sei schon die Erleuchtung. Um sich Selbst zu be-leuchten braucht es mehr als nur eine Technik. Man muss es SEIN.

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