Ich nehme also an, dass ein Mensch schon mit bestimmten Absichten auf die Welt kommt, eine Art übergeordnete Lebensabsicht, die natürlich jeder im Lauf seines Lebens für sich selber entdecken muss, wenn er will. Da ich aber auch annehme, dass es einen freien Willen gibt, kann die Erfahrung jederzeit in andere Bahnen gelenkt werden, wenn man es schafft, sich seine Überzeugungen bewusst zu machen, um dann eine andere Wahl zu treffen.

Aber wie kann man das lernen? Wie kann man seinen alten Habitus überwinden?

Die Überzeugungen oder Inhalte des Selbstmodells sind nicht so unbekannt oder transparent, wie das gerne postuliert wird. Die Realität zeigt ganz deutlich, was man so glaubt, so wie in dem Bibelzitat: An meinen Früchten will ich mich erkennen. (Etwas geändert,  aber ich denke, dass man hauptsächlich sich Selbst erkennen muss.)

Wenn man also schon weiß, dass man die Welt aufgrund dieser Inhalte wahrnimmt und dass es auch ganz anders sein könnte, kann man beobachten, welche Überzeugungen aktiv sind und welche Überzeugungen den Ereignissen zugrunde liegen. Alle Kommunikationen, die man zur Verfügung hat, eignen sich dazu, wie die Umwelt, andere Menschen, Impressionen, Intuitionen, Emotionen, Träume…

Wenn man dann festgestellt hat, dass einige Überzeugungen unangenehm sind und dass man lieber Andere hätte, ist die beste Methode, diese ungeliebten Überzeugungen durch Akzeptanz zu neutralisieren, also sie nicht zu bekämpfen, sondern anzunehmen als das, was sie sind: Bloße Überzeugungen, keine felsenfeste Wahrheit. Dann kann man neu wählen und die gewünschten Überzeugungen installieren und versuchen, diese auch in jedem Augenblick anzuwenden, bis sie automatisch ablaufen. Solange dieser Prozess andauert, muss man sich natürlich auch die automatischen Reaktionen auf die „alten” Überzeugungen bewusst machen und eben nicht mehr auf deren „Reize” antworten.

Unnötig zu sagen, dass dieser Prozess einige Zeit dauern kann. Aber da sich alles beschleunigt, wird auch das Wissen um sich Selbst exponentiell wachsen. Wichtig ist vor allem, sich Selbst zu kennen, denn das bestimmt die wahrgenommene Realität und den Austausch mit Anderen. Die notwendige Akzeptanz Anderer wird sich aus der Akzeptanz seiner Selbst quasi automatisch ergeben.  Ich denke nicht, dass es auf andere Art funktionieren wird.

Und ist es nicht widersprüchlich zum einen zu sagen, man solle seiner Wahrnehmung vertrauen, zum anderen aber, dass diese Wahrnehmung von Mustern geprägt sei, die es zu überwinden gelte?

Wenn man alles als gleich gültig ansehen kann und auf Verurteilungen verzichtet, und nur als Erfahrung betrachtet, dann kann man auch beginnen, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen, nicht dem, was man gelernt hat, sondern spontanen Impressionen, Impulsen, Emotionen… Diese trügen nie, nur werden sie blitzschnell rationalisiert, den Überzeugungen angepasst. Im Prinzip ist dies die direkte Wahrnehmung, ohne den Umweg über das Denken.

Ich nehme an, dass jeder Mensch alle Überzeugungen der Menschheit in seinem Selbstmodell hat und einige davon aktiv sind, die dann seine Welt ausmachen. Insofern ist „überwinden” vielleicht nicht der passende Begriff. Deaktivierung unerwünschter Überzeugungen reicht vollkommen.

Ein naiver Realist ist ein Mensch, der eine von ihm unabhängige Welt annimmt, die genau so ist, wie er sie wahrnimmt und die genau so bleibt, auch wenn er sie nicht wahrnimmt.

Das war der Versuch einer Antwort. Es ist so komplex, dass man es kaum so kurz beschreiben kann.  Hier noch ein kurzes Zitat von Elias, das diese Zusammenhänge gut beschreibt:

You need not concern yourself with the physical manifestation, for in paying attention to yourself you shall automatically be affecting of this physical expression

Many times merely recognizing and identifying what you are actually generating in the moment, what the communication is that you are expressing to yourself, may be adequate to allow you permission to choose rather than automatically respond.

 

Man muss sich nicht um die physische Manifestation kümmern, denn wenn man auf sich selbst aufmerksam ist, beeinflusst man automatisch den physischen Ausdruck.

Oft reicht es aus zu erkennen und zu identifizieren,  was man im Augenblck macht, welchen inneren Dialog man führt, um sich zu erlauben, eher eine Wahl zu treffen als automatisch zu reagieren.

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