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Angst, Schuld, Verantwortung

Dies sind einige meiner Beiträge in einer Forumsdiskussion über Angst, Schuld und Verantwortung.

Teilnehmer: Man wird mit mir einig gehen, wenn ich sage das an der Vergangenheit nichts geändert werden kann. 
 
Ich gehe nicht mit Dir einig. Die sogenannte Vergangenheit wird im Jetzt entworfen und kann deshalb auch im Jetzt geändert werden.  Und Schuld gibt es keine. Nur Erfahrungen und Selbstverantwortung. Jeder Mensch muss selbst entscheiden, was er erleben will. Ich denke auch nicht, dass es ein „moralisches Gesetz“ gibt. Die Moral entsteht nur aus den Glaubenssystemen – aus der Konditionierung.
 
Die sogenannte „Schuld“ und die Angst müssen nicht verdrängt werden. Aber ich glaube, dass „Schuld“ und Angst inzwischen schon lange erkannt sind. Wer dann noch länger darauf ‚rumreiten will, verlängert sie nur unnötigerweise, d.h., die gefürchteten Zustände werden in jedem Augenblick auf’s Neue generiert.  
 
Die sinnvolle Methode ist, sind erst einmal die Mißständer erkannt, diese anzuerkennen als bloße Erfahrung und sich dann umzuorientieren und auf angenehmere Zustände zu fokussieren. Diese permanente Analyse und das dazugehörige Jammern sind äusserst kontraproduktiv. Allerdings verlangt das eine viel größere Disziplin als das …bequeme Schuldigsein. 

Teilnehmer: Ich denke auch nicht, dass es ein „moralisches Gesetz“ gibt. Die Moral entsteht nur aus den Glaubenssystemen – aus der Konditionierung.“

Ich habe schon geschrieben, dass es keine Schuld gibt. Das Gewissen ist ebenfalls eine bloße Konditionierung – eine Folge der Glaubenssätze. Wenn mich also etwas stört, dann werde ich das erkennen und akzeptieren und mich dann anderen Bereichen zuwenden, so konsequent wie nur möglich.
 
Selbstverantwortung bedeutet eben auch, zu erkennen, dass ich alles, was ich erfahre, selber initiiert habe. Selbst den eigenen Mörder (den ich jetzt nicht generieren will).  Schuldzuweisungen, seien sie an Andere oder an sich selbst, negieren eben die Selbstverantwortung. 

Teilnehmer: Ich habe schon geschrieben, dass es keine Schuld gibt. Das Gewissen ist ebenfalls eine bloße Konditionierung – eine Folge der Glaubenssätze. Wenn mich also etwas stört, dann werde ich das erkennen und akzeptieren und mich dann anderen Bereichen zuwenden, so konsequent wie nur möglich.“  Ich denke genau das sollen wir glauben, bzw. eine willkommene Ablenkung. Aber diese Sache spielt sich mE. ein paar Etagen tiefer ab. 

Ja, Ablenkung ist gut. Gewöhnlich starren die Meisten auf die ungeliebten Zustände wie das Kaninchen auf die Schlange und denken dabei auch noch, dass wenn sie es nur bekämpften, würde es vorbeigehen. Aber, kämpfen verstärkt nur das Übel, denn die ganze Energie fließt sogar noch verstärkt in das Ungewollte. Das, worauf man sich konzentriert, wird verwirklicht und Kampf ist eine besonders starke Form der Konzentration. Also, deshalb Ablenkung, Umorientierung, Refokussierung… 

Teilnehmer: Einfach zu sagen:  Schuld gibt es nicht, aber dabei das Wort im Mund zu führen und nicht so zu (er)klären wollen, daß dann auch jeder die Möglichkeit findet, sich davon befreien zu können, ist m.E. nur eine wohlklingende Floskel. 

Das habe ich zwar schon oft „erklärt“, aber anscheinend wurde es nie gehört:
 
Schuld, Scham, Reue, schlechtes Gewissen, Moral… sind natürlich Begriffe. Das heißt aber noch lange nicht, dass man das, was sie repräsentieren, auch erfahren oder glauben muss. Wer also nicht in diesen äusserst niedrigen Schwingungen leben will, muss mit der Selbsterkenntnis beginnen und diese ist zuerst einmal ein Aufdecken der vorhandenen Glaubenssätze, also im Prinzip all dessen, was man so als Wahrheit betrachtet.  
 
Ich denke, dass das jeder verstehen kann. Ob es dann getan wird, ist wieder eine andere Frage.

 Teilnehmer:  Kämpfen ist etwas für Soldaten, für gepanzerte, harte Kerls. Wir hingegen möchten die Sache dahin bringen das sie zum fliessen, bestenfalls zum abfliessen kommt.  

Wenn ich meine Welt generiere, als Individuum (das Ungeteilte), nicht als Ego, dann kann es doch gar keine Schuld geben. Alle Ereignisse, alle Erfahrungen generiere ich selber. Niemand hat die Macht, über mich zu bestimmen, es sei denn, ich glaube es und lasse es deshalb zu.  
 
Wie ich schon geschrieben habe, geht es bei der Umorientierung NICHT darum, den Kopf in den Sand zu stecken, also um Verdrängung. Die Angst ist doch schon lange erkannt. Aber wie lange wollt ihr noch auf Eurer „Schuld“ herumkauen?  Ist es nicht schon lange klar, woher die „Schuldgefühle“ kommen? Sie kommen aus der Ignoranz über sich selber. Deshalb wäre doch der passende Schritt, sich selber zu erkennen!  
 
Die Methode der „Heilung“, die Ihr (Du, Gerd…) zu bevorzugen scheint, ist Analyse und noch einmal Analyse. Aber das ist nur eine Art Kampf – Ihr kämpft mit Euch selber – und deshalb ist es die Verstärkung der Schuld und Angst. Es reicht doch, zu erkennen, dass die Schuld und Angst und überhaupt alles Unangenehme aus der Ignoranz über sich selber kommt. Ist es da nicht sinnvoll, die Ignoranz durch Selbsterkenntnis zu überwinden?  
 
Um einmal bei dem Beispiel mit den 50 Euro zu bleiben. Du, mondial, verleihst das Geld und baust offenbar gleich eine Gefahr mit ein, nämlich dass Du das Geld nicht zurückbekkommen könntest. Es gibt einen Schuldner und eine Gläubiger. Nimm doch einfach den Begriff Gläubiger einmal wortwörtlich und glaube einfach, dass Du das Geld zurückbekommst. Du bestimmst das ganz allein. (Ich weiß, das ist unüblich, but such is consciousness).
 
Nun, vielleicht ist meine Aufforderung zur Selbsterkenntnis eine Floskel für Dich Gerd, aber ich betrachte es als den Königsweg, eigentlich als den einzigen Weg, zu sich Selbst. Es bleibt Dir natürlich unbelassen, Angst bis zum St. Nimmerleinstag zu analysieren. Ich finde es nicht so schwierig, zu erkennen, woher die Ängste kommen. Wesentlich schwieriger finde ich den nächsten Schritt, den der Umfokussierung, denn die Ängste, erkannt oder nicht, starren einem immer noch eine Weile direkt in’s Gesicht. 

Teilnehmer: O.k. Dann geh´ doch einmal morgen irgendwo in Deiner Gegend auf die Straße und frage die Menschen, was „Angst“ sein würde. 

Ich halte es eben nicht für entscheidend, was andere Menschen denken oder tun. Ich kann nur für mich selber denken und tun. Und da alles in meiner Wahrnehmung liegt, werde ich eben immer das wahrnehmen, was ich selber denke und glaube.

Selbsterkenntnis ist ja nicht l’art pour l’art. Sie ist äusserst praktisch. Die Veränderungen oder Erweiterungen der Selbsterkenntnis werden sich auch im „Außen“ spiegeln. Ich kann dann Menschen sozusagen auf einer anderen Ebene begegnen – einer angstfreien Ebene gewissermaßen.  
 
Wenn ich einen Menschen treffe, der voller Angst ist, dann muss ich die Energie, die er ausstrahlt nicht zwanghaft ebenso ängstlich konfigurieren. Ich bemerke die Angst, aber ich übernehme nicht automatisch seine Schwingungen. Ich konfiguriere also nach meiner Vorstellung und sende diese Energie wieder aus. Der ängstliche Mensch wird dies spüren und eventuell seine Ängste relativieren.   

Jedenfalls ist es viel sinnvoller, die Energie nach den eigenen Vorlieben zu gestalten, als immer automatisch zu re-agieren.  

„Mitgefangen, Mitgehangen“ ist kein universelles Gesetz! 

Teilnehmer:  Was ist „Angst“, wenn du schon dieses Wort verwendest? 

Angst ist die Ignoranz über sich Selbst – also NICHT-WISSEN über die Mechanismen des Bewusstseins, nicht einmal über die Irdischen.  
 
Die Folge davon sind jede Menge Glaubenssätze*, wovon die Meisten aus der Angst (Nicht-Wissen) geboren wurden und vielleicht Einige aus der Hoffnung (immer noch Nicht-Wissen). Keiner aber aus dem Wissen, denn das Wissen um sich Selbst – also Selbsterkenntnis – braucht natürlich keine Glaubenssätze.  
 
Banal, oder, und trotzdem kaum befolgt. Man kann die Angst unendlich aufbröseln, aber zu was soll das gut sein!  
 
Gnothi seauton… Erkenne dich selbst, dann erkennst du Gott und Gott hat doch sicher keine Angst, oder!
 
*Glaubenssätze sind (ziemlich beschränkte) Interpretationen von Wahrnehmungen, die durch Gewohnheit zum Gesetz werden und als DIE Wahrheit begriffen werden. Religiöse Glaubenssätze beschränken sich weitgehend auf Ahnungen, die ebenfalls im Rahmen des Nicht-Wissens interpretiert werden. 

Teilnehmer:  Bist Du sicher, daß das jetzt eine solche Erklärung des Wortes ist, die dann auch jeder so verstehen würde? 

Nein, natürlich wird das nicht „jeder“ verstehen. Es liegt auch nicht in meiner Verantwortung, dass jeder das verstehen kann. Wer will, wird sich schon seine Impulse suchen und mehr verstehen. Wer nicht will, dem kann niemand helfen. Einsicht und Verstehen sind individuelle Vorgänge und können weder gelehrt noch „missioniert“ werden, wie Du weisst.
 
Die Psychologie in all ihren Ausrichtungen hat doch versucht, jahrelang oder gar jahrzehntelang Patienten mit Angstsyndromen zu therapieren, mit großem Misserfolg. Die religiösen Institute missionieren seit Jahrtausenden, ebenfalls mit großem Misserfolg, was die Einsicht betrifft.  So lange die Quelle der Angst besteht, gibt es eben keine Befreiung von der Angst. Deshalb ist es nicht elitär oder „für Fortgeschrittene“, direkt an die Quelle zu gehen. Das ist nur intelligent. 

Teilnehmer: …bzw. und wie es die universitäre Lehrmeinung „Psychologie/Psychiatrie“ zelebriert, einem jeweils von diesem Prinzip wie auch immer Betroffenen die Ursache dafür ihm selber zuzuschanzen. 

Die Schulpsychologie/Psychiatrie verweist den Patienten auf die eigene Verantwortung, was auch im Prinzip richtig ist. Aber da weder die Psychologie noch der Patient wissen, dass diese Eigenverantwortung sehr umfassend ist und auch die Lösung beinhaltet, artet das ganze in „Schuld“ aus, was bedeutet, dass der Patient etwas „falsch“ macht.  
 
Diese ganze „Schuldfrage“ ist eine Folge der verzerrt verstandenen Dualität und basiert letztendlich auf der Unterscheidung von Gut und Böse. Erschwerend kommt hinzu, dass es den Glauben an Autoritäten beinhaltet, die wissen, was richtig ist. „Schuld“ gibt es nicht, so wie es auch nicht „gut“ und „böse“ gibt. Es gibt nur Erfahrungen und die Wahl dieser Erfahrungen.
 
„Sie“ – die Autoritäten, wie Gott, die Kirchen, der Ethikrat, Moralisten, Experten, Politik, Wirtschaft und Medien – veröffentlichen Meinungen, mehr nicht. Niemand ist gezwungen, diese zu übernehmen. Allerdings erfordert dies schon ein gewisses Maß an Selbst-Bewusstsein. Deshalb bleibt es dabei, dass Selbsterkenntnis unbedingt notwendig ist, will man selbstbestimmt sein – ohne Schuld und Angst.
 
Also, alle diese Meinungen verbreiten meistens nur unangenehme Zustände, „muss“ und „soll“, Gebote, Verbote und Pflichten – alles entstanden aus der Ignoranz und aus Gewohnheit zu Selbstläufern geworden. Natürlich manifestiert sich das, aber es könnte auch ganz anders sein. Der Mensch ohne Selbsterkenntnis nimmt das (oft) für bare Münze und bestätigt seine Grundängste (Nicht-Wissen) pausenlos, auch als physische Manifestationen.  
 
„Sie“ sind nicht verantwortlich für die Angst, auch die Gesellschaft ist nicht verantwortlich. Jeder Mensch lebt eigenverantwortlich und es wäre ihm ein Leichtes, Wissen zu gewinnen, würde er nur beginnen, aufmerksam zu sich Selbst zu sein. Jeder kann dieses Wissen pflücken. Wer es nicht tut, wird weiterhin Sklave vermeintlicher Autoritäten und Manipulierer sein. In Wirklichkeit ist er aber nur Sklave seiner Glaubenssätze.

Teilnehmer: Das, was dann aber in der Folge für alle wirksam wird, ist, daß dann daraus Schlußfolgerungen gezogen werden und zwar in Bezug darauf, wie sich alle zu verhalten haben!!!!  „Gesetze“ werden dann daraus!!!

Ja, ich weiß. Die „Gesetze“ entsprechen der aktuellen Angst. Aber stell Dir mal vor, es gibt viele Menschen, welche keine Angst mehr haben, welche sich (und ihre Gedanken und Glaubenssätze) kennen.  Die Gesellschaft würde sich radikal ändern – nicht durch eine „äussere“ Revolution, sondern durch Umfokussierung.  
 
Im Prinzip ist es die gleiche Frage wie: Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin, oder, stell Dir vor, niemand kauft mehr das Fleisch von den gefolterten Tieren… Es gäbe andere Institutionen, bloße Verwaltungen, keine „Regierung“, etc. Aber das ist erst möglich, wenn viele Menschen selbst-bewusst sind. Das bedeutet ein radikaler Bruch mit der „Vergangenheit“, also mit allem, was bis jetzt geglaubt wird.
 
Dann ist es eine „Gemeinschaft der Heiligen“, wobei ich mir unter Heiligem eher so etwas wie „Zorba the Buddha“ von Osho vorstelle als diese freudlosen und gequälten christlichen „Heiligen“. 

 

 

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